18.05.2012
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Das Literaturhaus im Mai 2012

Der Mai ist gekommen, auch wenn draußen immer noch die Aprilhagelstürme toben. Literarisch-kalendarisch ist Mai, bitte glauben Sie mir.

Der Wonnemonat beginnt passender Weise mit einem unserer und Ihrer Lieblingsautoren: T.C. Boyle macht sich wieder einmal von Kalifornien auf den Weg nach Deutschland, im Gepäck hat er seinen aktuellen Roman "Wenn das Schlachten vorbei ist" (Hanser Verlag), den er im Gespräch mit dem "Zeit"-Autor Philipp Schwenke vorstellen wird. In dem Roman lässt T.C. Boyle zwei Gutmenschenfronten aufeinander krachen und schaut, was übrig bleibt, wenn radikale Tierschützer auf radikale Tierschützer treffen. Als Schauplatz hat er einfach nur aus dem Fenster geblickt: Die kalifornischen Channel Islands vor Santa Barbara sind Heimat für eine Menge anderswo beinahe ausgerotteter Tierarten. Doch sie werden von einer überbordenden Rattenpopulation bedroht. Alma arbeitet für den National Park Service und will die Ratten töten lassen. Dave und Anise bestehen darauf, dass jedes Tier, auch jede Ratte, das Recht hat zu leben. Die Apokalypse gerät in bedrohliche Sichtweite, als diese Hardliner aufeinander treffen ... Die deutschen Passagen des Romans liest im Uebel & Gefährlich (Feldstr. 66)  ein alter Bekannter, der Schauspieler Jan Josef Liefers. Und wenn Sie sich an die Lesung im Jahr 2005 erinnern: T.C. Boyle und J.J. Liefers waren schon damals bei "Dr. Sex" ein unschlagbares Team.

Vom 6. bis 7. Mai wird im Literaturhaus wieder hinter verschlossenen Türen über den Stand der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur debattiert. Es ist Zeit für die "3. Hamburger Begegnung", an der auch 2012 30 namhafte Schriftsteller und Literaturkritiker teilnehmen. Im Mittelpunkt steht bei diesem Frühlingstreffen der schreibenden und kritisierenden Zunft das Thema Liebe: Ausgehend von Roland Barthes' "Fragmente einer Sprache der Liebe" diskutieren die Podiumsteilnehmer über Liebe in Buchstabenformat. Jeweils am Abend schwappt die Autoren- und Kritikertagung in die Öffentlichkeit: Am 7. Mai erörtert der Literaturwissenschaftler Manfred Schneider das ewig junge Thema der romantischen Liebe: "Ein Transparenztraum der Liebe. Das romantische Projekt" hat er seinen öffentlichen Vortrag benannt. Im Anschluss Diskussion! Am 8. Mai gehen wir in medias res und erleben neue deutsche Literatur: Die Schriftsteller Georg M. Oswald ("Unter Feinden"; Piper) und Jan Peter Bremer ("Der amerikanische Investor"; Berlin Verlag) stellen ihre neuen Romane vor. Es moderiert die Literaturkritikerin Meike Feßmann.

Am 9. Mai treffen wir auf einen alten Bekannten: Der britische Romancier John Banville präsentiert im Gespräch mit der Anglistin Julika Griem sein neues Buch "Unendlichkeiten" (Kiepenheuer & Witsch), das eine höchst geschmeidige Adaption des Amphitryon-Mythos und dessen Bearbeitung durch Heinrich von Kleist darstellt. Martin Maria Blau liest die deutschen Passagen. Am 22. Mai freuen wir uns auf den Schriftsteller Rayk Wieland, der nicht nur regelmäßiger Gastgeber des "Toten Salon" ist, sondern auch endlich einen neuen, Wieland-verschmitzten Roman vorgelegt hat. "Kein Feuer, das nicht brennt" (Verlag Antje Kunstmann) heißt der, und diesmal muss Wielands Protagonist Herr W. doch tatsächlich die Grenzen seines geliebten Kiezes verlassen. Es geht sogar, oh Schreck, bis ganz nach China. Was dieser Reisende wider Willen dort erlebt, ist in unserer Reisereihe "Unterwegs in der Welt" bestens aufgehoben.

Im Mai haben wir außerdem drei literaturhistorische Abende im Programm: Den Auftakt machen am 2. Mai Annemarie Stoltenberg und Jo Brauner, die das Leben und Werk Kurt Tucholskys vorstellen. Anlass ist die Vollendung eines Mammutprojekts: Der Rowohlt Verlag hat die kommentierte Gesamtausgabe der Werke Tucholskys vollendet, an der seit über 20 Jahren gearbeitet wurde. Annemarie Stoltenberg erzählt über Kurt Tucholsky, Jo Brauner liest ausgewählte Texte, die funkeln vor Aktualität. Am 24. Mai geht es um einen britischen Zeitgenossen Tucholskys, um P.G. Wodehouse. Der britische Romancier und Theaterautor hat mehr als 70 Romane, Theaterstücke und Musicals hinterlassen - von Charme, Esprit und unvergleichlichem Wortwitz. Hierzulande ist sein Werk leider fast der Vergessenheit anheim gefallen. Grund genug für Tilman Spreckelsen von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und die Schauspielerin Leslie Malton, rund um den Gentleman unter den Schriftstellern einen Abend zu gestalten.  In diesem Jahr jährt sich der Todestag von Hermann Hesse zum 50. Mal, so nimmt es nicht wunder, dass heuer gleich zwei umfangreiche Biografien erscheinen, die sich mit unterschiedlichen Ansätzen dem Leben des Nobelpreisträgers Hesse nähern. Gunnar Decker ("Hermann Hesse. Der Wanderer und sein Schatten"; Hanser Verlag) und Heimo Schwilk ("Hermann Hesse. Das Leben des Glasperlenspielers"; Piper) sind am 31. Mai zu Gast im Literaturhaus, um ihre Faszination für Hermann Hesse mit dem Publikum zu teilen. Fäden zwischen den Biografen und Biografien spinnt der SWR-Literaturredakteur und Hesse-Experte Uwe Kossack. Vorab zeigen wir in einer exklusiven Preview die ARTE-Dokumentation "Hermann Hesse. Der Weg nach innen" von Andreas Christoph Schmidt.

Im Philosophischen Café dreht sich am 15. Mai alles um das Thema "Wahrheit – die größte Illusion". Gast ist der Klagenfurter Professor Josef Mitterer, der mit Reinhard Kahl und dem Publikum ins Gespräch kommen wird. Unser Abend für Literaturkritik jenseits der Kameras und Feuilletons, "März & Moritz & 1 Gast" geht bereits in die vierte Runde: Am 29. Mai gesellt sich die meinungsstarke Sigrid Löffler zu den nicht minder meinungsstarken Gastgebern Ursula März und Rainer Moritz. Wie immer stehen fünf Neuerscheinungen aus der Frühjahrsproduktion der Verlage im kritischen Fokus.

Im Jungen Literaturhaus sind am 16. Mai Daniel Napp und Dr. Brumm bei "Spaß mit Büchern" zu Gast. Dr. Brumm ist ein promovierter, aber leider sehr tolpatschiger Bär, den seine Neigung zu Missgeschicken berühmt gemacht hat. Sein Erfinder Daniel Napp erzählt nicht nur die neuesten Geschichten aus dem Leben des haarigen Doktors, sondern erklärt auch gleich noch, wie eigentlich ein Bilderbuch entsteht. Auch die "Gedankenflieger" haben am 31. Mai Spannendes in ihrem Terminkalender zu stehen: Sie philosophieren in der Zukunftsschule Flachsland darüber, ob auch Orte ein Gedächtnis haben oder wie man sich eigentlich erinnert. Grundlage bildet das ganz und gar bezaubernde Büchlein "Eric" des australischen Künstlers Shaun Tan.

Für den Abend mit T.C. Boyle verkaufen wir bereits jetzt ganz fleißig Karten, alle anderen Veranstaltungen sind ab 20. April für den Vorverkauf freigeschaltet.

Einen schönen literarischen Mai und jede Menge Frühlingsgefühle wünscht Ihnen

Ihr Literaturhaus-Team
 
 
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